|
Das ideale Szenario für Zentralbänker ist eine jährliche Inflationsrate von etwa 2%. Höhere Inflation ist schlecht und Deflation müssen wir um jeden Preis versuchen zu vermeiden, denn das wäre wírklich eine Katastrophe! Das letzte Jahre haben wir wiederholt oft gehört, dass wir besser hoffen und beten sollten, dass es keine Deflation gibt, denn wenn das passiert, dann sind wir dran, um dann ein ominöses "Schau mal nach Japan!" hinzuzufügen.
Erstmal was Korrigieren
Wir sprechen über Inflation, wenn die Preise steigen und über Deflation, wenn die Preise fallen. Das ist per Definition schon falsch. Wir sprechen von der Inflation, wenn die Menge des umlaufenden Geldes sich erhöht. Von Deflation sprechen wir, wenn die Menge des umlaufenden Geldes sinkt. Preissteigerungen und -senkungen sind nur eine Folge davon. Es ist keineswegs unsere Absicht, hier moralistisch zu werden, aber es ist wichtig, des im Hinterkopf zu behalten. Für die Bequemlichkeit missbrauchen wir die Begriffe Inflation und Deflation hier auf die gleiche Weise wie es überall auf der Welt in den Medien geschieht.
Warum die Inflation schlecht ist
Wenn Ihr Gehalt gleich bleibt und die Preise steigen, können Sie weniger kaufen und werden Sie insgesmt etwas armer. Es ist dann auch ganz nett, dass die Zentralbänker 2% Inflation wollen, wenn Ihr Chef sich darauf hin aber entscheidet, die Gehälter dieses Jahr nicht zu erhöhen, dann haben Sie nächstes Jahr effektiv ein um 2% niedrigeres Einkommen. Ich weiß nicht, wie Sie es betrachten, aber ich bevorzüge eher überhaupt keine Preiserhöhungen. Und wenn es dann so wie in den 70er Jahren etwa 10% Prozent Inflation gibt, dann bezweifle ich, ob Ihr Chef Ihr Gehalt um 10% erhöht.
Für Deflation gilt das Gegenteil
Deflation bedeutet im Volksmund sinkende Preise. Wer könnte da nur dagegen sein? Wenn es im nächsten Jahr 2% Deflation gibt, dann sollte Ihr Chef Ihr Gehalt schon um 2% reduzieren müssen, damit Sie im nächsten Jahr gleichviel aufzuwenden hätten. Dies geschieht jedoch nicht, so dass Ihre Kaufkraft effektiv nur vorankommt.
Das Argument für "Deflation ist eine Katastrophe"
Das einzige, was die Ökonomen Ihnen erzählen ist, dass Deflation dafür sorgt, dass Menschen erwarten, dass die Preise weiter sinken werden, dass sie sich somit ihre Einkäufe aufschieben werden, so dass die Verbraucherausgaben stark sinken werden und die Wirtschaft in eine längere Rezession landen wird. "Schauen Sie nach Japan" bekommen Sie als Zugabe noch oben drauf, um es noch mehr zu festigen.
Der i-Pad als Beispiel
Der Punkt ist, dass die Menschen ihre Einkäufe niemals aufschieben. Fürs erste gilt dies für viele Ausgaben, die man nicht verschieben kann. Und zweitens gilt, dass Menschen sogar Produkte, wovon sie zu 100% sicher wissen, dass sie künftig wesentlich billiger werden, doch sofort kaufen. Nehmen Sie Apple's i-Pad. Dieses Teil ist gerade auf dem Markt erschienen und es gibt einen regelrechten Ansturm darauf. Aber wir wissen alle schon, dass das Gerät in etwa zwei Jahren über die Hälfte günstiger sein wird und besser funktionieren wird und mehr Funktionen haben wird. Dass sind allerdings drei zwingende Gründe, den Kauf eines i-Pads zu verzögern. Und doch sind diese Gründe nicht ausreichend, um den Kauf aufzuschieben! Neben dem i-Pad, können wir eine ganze Liste von Produkten aufführen, die in den darauf folgenden Jahren vom scharfen Preisverfall betroffen sind, von Flachbildschirmfernseher bis hin zu Laptops, von Mobiltelefonen bis hin zu GPS-Geräten.
Bei allgemeiner Deflation gilt erstens, dass es bei einem Preissenkung um höchstens ein paar Prozent geht und zweitens, dass man absolut nicht wissen kann, ob die Preissenkung sich im nächsten Jahr fortsetzen wird. Wie kann man dann noch mit treuen Augen behaupten, dass die Deflation dafür sorgt, dass die Menschen ihre Einkäufe hinausschieben werden?
Die Tatsachen mal andersherum
Was Japan betrifft, werden die Geschäfte immer als solche vorgestellt, als ob die wirtschaftlichen Probleme ein Ergebnis der Deflation sind. Es ist aber andersherum. Deflation ist das Ergebnis von spezifischen, wirtschaftlichen Problemen in Japan. Die Probleme sind wiederum eine Folge einer spezifischen, japanischen Ursache und spezifischer japanischen Irrtümer, die nach dem Platzen der Blase im Jahr 1990 gemacht worden sind. Wären die Preise in den letzten Jahren angestiegen, dann würde der japanische Konsument nur noch schlechter dran sein. Für die japanischen Bürger ist die Deflation dann nur ein Glück im Unglück. Das verweisen auf Japan als Spukszenario ist dann auch ein absoluter Blödsinn.
Leider erwarten wir für uns alle in den kommenden Jahren keine rückläufige, sondern gerade steigende Preise. Ärgerlich, denn ich würde eine Deflation von Herzen begrüßen!
|