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Zu viel Kapitalismus oder eher zu wenig? |
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Letzte Woche erreichte mich eine Email eines Redakteurs von einem kommunistischen Magazin. Er hatte unseren Artikel "Sei vorbereitet und habe einen Plan" gelesen und fragte, ob er Auszüge dieses Artikels in seinem Blatt publizieren dürfe. Er schrieb, dass er sich komplett in unserer Analyse und in der Art und Weise wie man damit als Bürger umgegangen wird wieder finden kann. Er war sich jedoch sicher, dass unsere Analyse bezüglich der Lösung der Krise vollkommen anders aussieht als seine. Er sieht die Schuld der heutigen Krise ganz klar bei einem Überschuss an Kapitalismus.
Analysieren und auf die Situation reagieren
Der Ausgangspunkt unseres Newsletters und unseres Anlageservices ist eine Analyse der weltweiten Wirtschaftslage und wie man am besten auf diese Lage reagieren sollte. Genauso wie wir es in unserem Artikel "Sei vorbereitet und habe einen Plan" tun. Es ist nicht unsere Absicht anderen unsere Meinung aufzudrängen oder darüber zu diskutieren "wie die Welt eigentlich aussehen müsste".
Es fällt uns jedoch schon auf, dass viele Menschen (unter denen sich viele "Spezialisten" befinden) die derzeitige Wirtschaftskrise einem zu hohen Maß Kapitalismus zuschreiben oder sogar als definitives Scheitern des Kapitalismus bezeichnen. Und das tun sie weil Sie die Geschichte nicht kennen oder weil sie ein Paar elementare Begebenheiten übersehen. Einige dieser Dinge möchte ich im Folgenden gerne auflisten:
- Die Rettung des Hedge Fonds Long Term Capital Management 1998 setzte den Grundstein der derzeitigen Krise. Anstelle der Nachricht, dass die teilnehmenden Banken einen kräftigen Schlag ins Gesicht bekommen würden, erreichte die CEOs die implizite Botschaft, dass Greenspan sie jeder Zeit retten würde. Die Geburt des Ausdrucks "too big to fail" war vollbracht und die CEOs konnten sich kurzfristig massenhaft Gewinne sichern und die lange Sicht ignorieren.
Von Kapitalismus ist nur dann die Rede, wenn Unternehmen die scheitern auch tatsächlich Pleite gehen.
- 2002/03 setzte Greenspan die Zinsen auf ein damals historisch tiefes Niveau von 1% herab. Damit lud er alle Konsumenten ein, in großem Maße Kredite für Konsumgüter aufzunehmen. Hätte der Markt die Zinsen bestimmt, wären sie niemals so weit gesunken und wäre niemals eine so große Nachfrage auf Hypotheken entstanden.
Von Kapitalismus ist nur dann die Rede, wenn die Höhe der Zinsen durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.
- Die Kreditkrise (eine ganz andere Krise) findet ihren Ursprung im Finanzsektor. Komischerweise wird kein einziger Unternehmenssektor so heftig reguliert wie eben dieser Finanzsektor. In den meisten anderen, nicht stark regulierten Sektoren funktioniert der Markt ausgezeichnet und kommen solche Exzesse nicht vor.
Wie kann es sein, dass sich gerade im Unternehmenssektor in den die Regierung sich am meisten einmischt, immer die größten Probleme auftun?
- Große börsennotierte Unternehmen werden überhaupt nicht von Unternehmern geführt. Sie werden von Menschen geführt, die mit einem hohen Verdienst auf der Gehaltsliste stehen. Sie sind nie Unternehmer gewesen. Menschen die absolut keiner Gefahr ausgesetzt sind, wenn es mit dem Unternehmen schief geht. Sie können es sich erlauben, nur an die nahe Zukunft zu denken. Sie verschwinden nach jahrelanger Misswirtschaft mit einer fürstlichen Prämie. Die Aktionäre sind die Eigentümer und gehen ein finanzielles Risiko ein. Aber sie haben kaum was zu sagen.
Das charakteristische des Kapitalismus ist, dass Menschen ihr eigenes Kapital einsetzen um ein Unternehmen aufzubauen und um damit dann Gewinne zu erzielen.
Ich nenne hier vier Punkte, könnte aber noch eine Weile so weitermachen und noch mehr solcher Tatsachen runterschreiben. Sie dürfen selbstverständlich ihren eigenen Schluss daraus ziehen. Zu viel Kapitalismus und eher zu wenig?
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