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Erschreckende Staatsschulden und Haushaltsdefizite (2)
Dienstag, 04. Mai 2010 um 14:01 Uhr
Diese Woche bekam ich eine Mail von einem Leser, der meiner Meinung die Welt nicht mehr verstehen konnte. Er fragte uns, ob wir die Situation der Euroländer nicht einmal im Gesamten mit der der Vereinigten Staaten vergleichen wollten. Wahrscheinlich, weil er nicht verstehen kann, dass der Euro so dermaßen fällt, wo er sich daran erinnern konnte, dass es den Vereinigten Staaten finanziell doch noch viel schlechter gehen soll. In dem Artikel von vergangener Woche (klicken Sie hier, um ihn noch einmal zu lesen) schrieb ich nämlich nur über die Staatsschulden und Budgetausfälle in den Euroländern.

Als ich bei der Mail dieses Lesers einmal zwischen den Zeilen las, dann hat er prinzipiell vollkommen recht, und es ist normal, dass er von dem Ganzen überhaupt gar nichts mehr versteht. Denn warum die ganze Aufruhr über so ein kleines Land innerhalb der EU und über den Euro, wo doch die Eurozone insgesamt viel besser dasteht als Länder wie die Vereinigten Staaten oder das Vereinigte Königreich? Hierunter nun schon einmal eben die Zahlen der Eurozone im Ganzen und die der USA.

Ohne mit der Wimper zu zucken...
In den Vereinigten Staaten hat die Regierung in 2009 ungefähr 1400 Milliarden mehr ausgegeben als eingenommen wurden oder auch 10% des BIP. Hierdurch steigen die amerikanischen Staatsschulden auf $11,9 Billionen, oder gut 83% des BIP. Die 16 Euroländer hatten gemeinsam einen Budgetausfall von 6,3% des BIP, und die Staatsschulden betragen 78,7% des BIP.

Viel bessere Zahlen also als von den Vereinigten Staaten. Dass, wo doch die US Staatsschulden in 2010 mit schnellem Tempo auf 94% des BIP anwachsen werden. Obama präsentierte nämlich vor zwei Monaten ohne mit der Wimper zu zucken einen Staatshaushalt für 2010, in dem die Bundesregierung $3552 Milliarden ausgeben soll, wo gerade einmal $2381 Milliarden an Einnahmen erwartet werden. Wären die Vereinigten Staaten ein EU-Land, dann würden sie sofort in einem Atemzug mit den PIIGS-Ländern genannt werden.

Wie kann es dann sein, dass der Euro so unter Beschuss steht?
Und dass keiner mehr über die desolate finanzielle Situation der USA zu reden scheint? Das liegt teilweise daran, dass die USA nun einmal ein großes und mächtiges Land sind. Für die Rating-Agenturen scheint es kein Problem zu sein, dass Rating für kleinere Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien zu senken; würden dies bei den USA aber wahrscheinlich erst dann tun, wenn niemand auch nur eine amerikanische Obligation mehr kaufen wollte.

Zum anderen Teil ist der Fokus auf die EU-Länder und auf den Euro auch auf die enorme Entscheidungsschwäche bei den europäischen Regierungsmitgliedern und Politikern zurückzuführen. Hätten sie direkt konsequent Nein zur Hilfe von Griechenland gesagt, dann wäre Griechenland jetzt wohl schon auf dem Weg weg vom Euro, und der Euro wäre zeitnah nur noch stärker geworden. Hätten Sie andererseits sofort gehandelt und ein Paket mit Stützungsmaßnahmen geschnürt, wäre auf den Währungsmärkten schon lange wieder Ruhe eingekehrt.

Aufmerksamkeit für USA kehrt bald von selbst wieder zurück
Wir brauchen uns über die Vereinigten Staaten jedoch keine Illusionen zu machen. Die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte und Medien wird sich bald von selbst wieder auf die enormen Budgetausfälle, die enormen Staatsschulden und vor allem darauf, wie es schon fast feststeht, dass die Staatsschulden in den kommenden zehn Jahren weiterhin enorm steigen werden, richten.