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Preissteigerung am Rohstoffmarkt
Mittwoch, 10. November 2010 um 14:18 Uhr
In derselben Woche, in der Eurostat bekannt gibt, dass die Produzentenpreise in der Eurozone um ganze 4,2% angestiegen sind, gibt die EZB bekannt, dass die Zinsen unverändert bei 1% bleiben werden und, dass die Inflation auch im nächsten Jahr bei rund 2% liegen wird. Und das alles, während sich unter den Rohstoffen folgende Preissteigerungen ergeben haben: Getreide 74%, Mais 14%, Kaffee 27%, Zucker 44%, Baumwolle 66%, Rindfleisch 18%, Schweinefleisch 60%, Kupfer 37%, Hafer 68%, Diesel 29%, Erdgas 25%. Diese Preissteigerungen wurden in US Dollar gemessen und für den Zeitraum eines Jahres.

"Oh!", werden Sie denken, "Dann sind die Folgen für uns nicht so schwerwiegend, denn der Euro ist in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Dollar kräftig gestiegen." Stimmt, er ist jedoch gestiegen, nachdem er in der ersten Jahreshälfte kräftig gesunken war. Der Euro notiert derzeit sogar niedriger als vor einem Jahr. Letztes Jahr lag der EUR/USD Kurs am 5. November noch bei 1,49. Jetzt liegt er bei 1,40. Wenn wir auf der Basis des Euro die derzeitigen Rohstoffpreise mit denen des Vorjahres vergleichen, erkennt man, dass die Preise dann noch kräftiger angezogen sind. Das sind die Preissteigerungen der Wirklichkeit. Für jedermann nachvollziehbar. In welcher Welt Leute, wie Trichet und Bernanke leben, ist für mich ein großes Rätsel.

Die Herstellung der Produkte, die bald in unserem Einkaufswagen landen, kostet die Produzenten also durchschnittlich 4,2% mehr als noch vor einem Jahr. Als Konsument kann man da nur hoffen, dass die Produzenten entschließen, diese höheren Kosten nicht auf den Preis ihrer Produkte aufzurechnen. Vielleicht sollten wir aber gerade hoffen, dass die Preissteigerungen aufgerechnet werden, denn wenn die Gewinnspannen schrumpfen, werden sie anderswo Kosten einsparen wollen. Also Leute entlassen.

Im oberen Abschnitt nenne ich Preissteigerungen am Rohstoffmarkt. Es dauert selbstverständlich eine Weile, bis wir Konsumenten davon etwas spüren. Ein Freund von mir, der in Italien lebt, erzählte mir von Giovanni. Giovanni ist ein äußerst freundlicher Bauer, der seine Ländereinen neben dem Haus meines Freundes bearbeitet. Im Frühjahr hat er Weizen geerntet und hatte es im Vorhinein schon zu einem festen Preis verkauft. Der (noch günstige) Weizen befindet sich jetzt vielleicht in den Nudelpaketen in den Supermärkten, und darum sind die Nudeln momentan auch noch nicht teurer geworden. Giovanni hat letzte Woche erneut Wintergetreide gepflanzt und freut sich schon jetzt auf den sehr wahrscheinlich viel höheren Preis, den er für seinen Weizen bekommen wird. Es sei ihm gegönnt. Die höheren Preise aber wird der Konsument natürlich in den Supermärkten zu spüren bekommen...