Das wird große Konsequenzen haben

Gestern waren wieder alle Augen der Finanzwelt auf Mario Draghi gerichtet. Darauf, welche Maßnahmen er verkünden würde, um der Wirtschaft in der Eurozone Schwung zu verleihen und vor allem die Inflation wieder anziehen zu lassen.

Dass die Medien nicht länger vom Einfluss der Zentralbanker auf die Wirtschaft überzeugt sind, unterstreicht die folgende Schlagzeile von gestern Morgen:

SuperMario unter großem Druck
Die Folgende Graphik aus der Financial Times zeigt in einem Augenaufschlag, unter welch großem Druck SuperMario stand.

Obwohl er 60 Milliarden Euro monatlich druckt, trotz 0% Zinsen, trotz des negativen Einlagezinses, trotz eines niedrigeren Euro und trotz eines viel tieferen Ölpreises blieb das Wirtschaftswachstum sehr gering.

Und der größte Druck auf Mario entstand durch die Tatsache, dass die Inflation (rote Linie) letzten Monat sogar unter null gesunken ist. Dadurch entfernt er sich immer weiter von seinem 2% Ziel.

Draghi hat nur ein Ziel: Der Euro muss sinken.

Mit den gestern verkündeten Maßnahmen (der gleichen Sorte), erreichte er schon einmal das Umgekehrte.

Japan – dasselbe in Grün
In Japan ist die Lage genauso, allerdings noch etwas schlimmer. Staatsverschuldung riesig, keine Inflation, kein Wirtschaftswachstum. Trotz niedrigem Ölpreis, trotz des vielen Gelddruckens.

Anfang nächster Woche muss BoJ-Chef Kuroda ran. Der Verrückteste aller Zentralbanker. Auch er steht unter großem Druck, weil er Maßnahmen nennen muss, die die Inflation zunehmen lassen sollen.

Auch Kuroda hat nur ein Ziel: Der japanische Yen muss sinken.

Wenn er gestern gut aufgepasst hat, weiß er jetzt, dass mehr derselben Maßnahmen keinen positiven Effekt haben werden.

USA – umgekehrte Welt
Und dann findet nächste Woche auch noch das Fed-Meeting statt. Yellen & Co. haben es mit einer ganz anderen Situation zu tun. Wirtschaftswachstum von ca. 2%, Arbeitslosigkeit unter 5%.

Und zeitgleich steigt die Inflation in den USA gerade schnell in Richtung 2%. Letzten Montag warnte der stellvertretende Vorsitzende der Fed, Stanley Fischer noch:

Die Fed hob im Dezember bereits die Zinsen an. Und wenn man die Zahlen hinzuzieht, die sich die Fed normalerweise immer ansieht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Yellen nächste Woche erneut eine Zinserhöhung verkünden wird.

Dollar wird zu neuem Anstieg ansetzen
Die Politik der Fed auf der einen Seite und die der EZB und der BoJ auf der anderen, gehen schon meilenweit auseinander. Und sie werden immer weiter auseinanderdriften.

Dadurch ist es sehr wahrscheinlich, dass der Dollar ab nächster Woche zu einem neuen starken Anstieg ansetzen wird. Und dass wir große Konsequenzen haben!

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Eine kleine Weltreise

Wir machen heute etwas Besonderes. Ich möchte Sie heute auf eine kurze Reise um die Welt mitnehmen. An Hand einer Graphik und einiger Zeitungsschlagzeilen.

Denn an Hand einiger unspektakulärer Schlagzeilen wird schon ersichtlich, wo der Hase weltweit langläuft und was das für uns Anleger bedeuten wird.

Und weil eine Zentralbank kurz davor steht, genau das Entgegengesetzte von dem zu tun, was alle anderen Zentralbanken tun, wird es für uns Anleger noch interessanter.

 

Dr. Copper
Schauen wir uns aber erst einmal Kupfer an. In der Investmentbranche hat es den Spitznamen Dr. Copper. Diesen Spitznamen bekam Kupfer, weil die Preisentwicklung von Kupfer viel mehr Relevanz hat, als die Prognosen aller Ökonomen zusammen.

Und weil Kupfer weltweit in enorm vielen Unternehmenssektoren verwendet wird, sagt die Preisentwicklung viel darüber aus, in welche Richtung sich die Weltwirtschaft entwickelt. Die folgende Preisgraphik ist eindeutig.

Der Kupferpreis ist im letzten Jahr um ungefähr 30% gesunken. Auf den niedrigsten Preis seit Mitte 2009. Nicht gerade ein Zeichen für eine hohe globale Nachfrage nach Kupfer. Grund genug also, die Weltwirtschaft nicht unbedingt optimistisch zu betrachten.

Natürlich darf man sein Urteil nicht ausschließlich auf den Kupferpreis stützen. Aber alleine die Meldungen der letzten zwei Wochen unterstreichen, wie miserabel es der Weltwirtschaft geht.

 

China
Machen wir uns nun also auf die Reise um die Welt…

China hat die Weltwirtschaft in den letzten Jahren praktisch über Wasser gehalten. Mit größtenteils künstlichen Maßnahmen, für die das Land jetzt die Rechnung aufgetischt bekommt.

Vor zehn Tagen erschien die u.a. Meldung über China, nachdem bekannt wurde, dass Chinas Export im Oktober um 7% und der Import um satte 19% gesunken ist.

Der sinkende Import Chinas ist ein Zeichen dafür, dass Konsumenten weltweit ihr Geld beisammen halten. Ein sinkender Import bedeutet, dass die Chinesen auch kein Geld ausgeben.

Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass es in China nicht rund läuft. Und weil der Yuan mit dem Dollar verknüpft ist, müssen sie leidvoll mit ansehen, wie der Yuan im Vergleich mit konkurrierenden Ländern wie Südkorea, Japan und Deutschland immer teurer wird.

Im August haben wir bereits eine kleine Währungsabwertung des Yuan erlebt. Der Druck den Yuan weiter abzuwerten steigt Tag für Tag.

 

Japan
Schauen wir uns jetzt einmal in Japan um.

Wenngleich nicht unbedingt unerwartet, haben wir letzten Montag zum zigsten Mal schlechte Wirtschaftsneuigkeiten aus Japan erhalten.

Zum zweiten Mal seit Shinzo Abes Machtantritt (und seitdem die BoJ massenhaft Geld druckt) ist die japanische Wirtschaft in eine Rezession geraten.

So bekommt man die Inflation natürlich nicht auf die 2%, die Abe und sein BoJ Kumpel Kuroda so gerne hätten.

Am letzten Freitag sagte Kuroda, dass die BoJ trotz der schlechten Neuigkeiten weiterhin in gleichem Tempo Geld drucken werde. Es ist allerdings nur eine Frage der Zeit, bis Kuroda bekannt geben wird, dass er noch viel mehr Geld drucken wird.

Denn wenn der Yen im Verhältnis zum Euro, Yuan und Won steigt, wird die japanische Ökonomie in eine nur noch tiefere Rezession geraten.

 

Europa
Wir müssen und natürlich auch kurz einmal unsere eigene Situation hier in Europa ansehen.

Die wichtigste Meldung der letzten zwei Wochen war selbstverständlich die Berichterstattung über die Anschläge in Paris. Man muss keinen Nobelpreis gewonnen haben, um zu wissen, dass das natürlich einen ausschließlich negativen Einfluss auf die Eurowirtschaft haben wird.

Einen letztendlich sogar sehr negativen. Zum Beispiel, wenn Binnengrenzen geschlossen werden und/oder extrem rechte Parteien in einzelnen oder mehreren Ländern an die Macht kommen.

Starker Rückgang deutsche Erzeugerpreise
Am Freitagmorgen wurde bekannt, dass die deutschen Erzeugerpreise im vergangenen Monat satte 2,3% niedriger waren als im Vorjahr (0,7% exkl. Energiepreise). Zeitgleich hielt Draghi eine Rede, in der er eine klare Botschaft verkündete.

Draghi betrachtet es als seine Aufgabe, die Inflation in der Eurozone auf 2% anzuheben. Und er hat diesen Monat schon mehrmals geäußert, dass es bereit sei, mehr Geld zu drucken und die Einlagezinsen weiter zu senken.

Die sinkenden deutschen Erzeugerpreise sind für Draghi ein weiterer Grund dafür, die Geldpressen noch schneller drucken zu lassen.

Und wir nähern uns immer mehr den negativen Sparzinsen…

 

Vereinigte Staaten
Wir beenden unsere Reise in den Vereinigten Staaten.

Während Sie oben feststellen konnten, dass es der Wirtschaft in weitestgehend allen großen Ländern schlecht geht, sind Yellen und Konsorten der Meinung,  dass es der amerikanischen Ökonomie sehr wohl gut geht.

Aus dem Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung im Oktober geht hervor, dass sie tatsächlich ernsthaft vorhaben, im Dezember die Zinsen anzuheben.

Die Fed hat in den vergangenen anderthalb gebetsmühlenhaft wiederholt, dass die Zinsen angehoben werden sollen. Es wurde aber jedes Mal erneut ein Grund erfunden, dies dann doch nicht in die Tat umsetzen zu müssen.

Zinsanhebung ist unvermeidbar geworden
Da unterschiedliche Fed-Vorstandsmitglieder in den letzten Wochen noch einmal wiederholten, dass sie die Zinsen anheben wollen, sind sie nun fast dazu verpflichtet, im Dezember ernst zu machen.

Keine Anhebung würde einen ernsthaften Gesichtsverlust bedeuten und der Glaubwürdigkeit der Fed enorm (weiter) schaden.

Eine Zinsanhebung Amerikas im Dezember scheint daher unvermeidbar.

 

Fazit
Unsere Reise um die Welt ist vorbei. Wir können einige Fazits ziehen.

Denn alle Länder ergreifen starke Maßnahmen, um ihre Währungen herabzustufen. Außer die USA. Sie tun genau das Entgegengesetzte.

Die Federal Reserve hebt die Zinsen an, während in fast allen anderen Ländern die Zinsen herabgestuft werden und/oder sehr viel Geld gedruckt wird. Damit ist ein (weiterer) starker Anstieg des Dollars im nächsten Jahr unvermeidbar.

Kettenreaktion
Das wiederum wird die Probleme weltweit nur noch vergrößern. Vor allem in den Schwellenländern, in denen offenen Dollarkredite in Höhe von satten 9.500 Milliarden Dollar existieren.

Dort werden die Kreditnehmer dieser Dollardarlehen in große Schwierigkeiten geraten, viele Kredite werden beglichen oder umgewandelt und dadurch steigt der Dollar noch weiter. Die Probleme werden dann nur noch ernster.

Der von der Fed verursachte Dollaranstieg führt zu einer Kettenreaktion aus Problemen, die sich gegenseitig verstärken.

Uns steht ein Tsunami bevor
Vom steigenden Dollar können Sie natürlich profitieren, indem Sie schlichtweg Dollar kaufen. Sie können aber noch viel mehr Gewinn erzielen, wenn Sie auf die Nebenwirkungen spekulieren, die an den Währungs- und Aktienmärkten weltweit auftreten werden.

Um es mit John Mauldins Worten zu sagen: Uns steht ein Tsunami bevor. Wenn Sie richtig darauf spekulieren, kann das zu einem Gewinn-Tsunami führen.

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