Marios schwärzester Tag als EZB-Chef

Mario Draghi wird sich noch lange an den gestrigen Tag erinnern. Es war mit Abstand sein schwärzester Tag als EZB-Chef.

Letzten Monat hatte er die Erwartungen für große Taten noch höchstpersönlich so sehr geschürt, dass gestern Morgen sogar die gängigen Nachrichtensendungen darüber spekulierten, was er mittags wohl sagen würde.

Er lieferte gestern dann jedoch absolut nicht das ab, was der Markt erwartet hatte. Infolgedessen schoss der Euro hinauf und die Börsen sanken stark.

Keine Überraschung
Mario verkündete gestern, dass die Einlagezinsen von -0,2% auf -0,3% gesenkt werden. Außerdem, dass die EZB sechs Monate länger 60 Milliarden Euro monatlich drucken wird. Und danach noch länger, falls notwendig.

Auf dem Papier ist das eine große zusätzliche Maßnahme. Für die Finanzmärkte sind das aber keine neuen Nachrichten. Denn alle wissen, dass die EZB nicht aufhören kann Geld zu drucken, solange kaum Wirtschaftserholung und Inflation stattfindet.

Ausweichende Antworten
Ich habe mir Draghis Pressekonferenzen schon häufiger angeschaut. Und mir ist jedes Mal aufgefallen, dass er redegewandt ist und dass er Journalistenfragen freundlich und klar beantwortet.

Gestern war es aber anders.

Freundlich war er natürlich nach wie vor. Aber er antwortete ausweichend (bisweilen gar nicht) auf die Frage, was seiner Meinung nach der Grund dafür sei, dass der Markt so enttäuscht reagiert hat. Und ob das möglicherweise an seiner Kommunikation gelegen haben könnte.

Daraufhin widersprach er sich selbst.

Mario widerspricht sich selbst
Einerseits sagte er, dass das angekündigte Paket zusätzlicher Maßnahmen gewiss von wesentlicher Bedeutung sei. Andererseits aber sagte er, dass sich die Euro-Wirtschaft aber jetzt gerade in eine gute Richtung entwickelt.

Wenn er tatsächlich meint, dass es in die richtige Richtung geht, müssten überhaupt keine Maßnahmen ergriffen werden.

Anschließend sagte er, dass das Vertrauen der europäischen Verbraucher jetzt größer sei und selbige bereit seien mehr Geld auszugeben. Eurostat veröffentlichte hingegen nur ein paar Stunden zuvor, dass der Einzelhandel in der Eurozone im Oktober um 0,1% gesunken ist.

Von Reaktion überfallen
Für mich war klar zu erkennen, dass Mario gestern von der Reaktion des Marktes überfallen wurde. Und dass er sich durch die Pressekonferenz quälte.

Ein steigender Euro steigert die Inflation nicht sondern senkt sie. Mario wird sich einen klugen Schachzug ausdenken müssen.

Oder der Markt müsste realisieren, dass die zusätzlichen Maßnahmen der EZB wirklich einschneidend sind. Und dass die Erwartungen gestern (dank Draghi persönlich) etwas zu hoch gegriffen waren.

Denn Fakt ist, dass die EZB die Finanzmärkte noch eine ganze Weile mit frisch gedruckten Euros überfluten wird…

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