Absolut nicht zu begreifen…

Draghi brachte ein dickes Paket Stimulierungsmaßnahmen auf den Tisch, aber der Euro stieg am Donnerstag. Ein steigender Euro ist das Letzte, worauf die Eurozone wartet.

Und am Dienstag legte sein japanischer Kollege Kuroda nur die Hände in den Schoß. Was die Bank of Japan verkündete, konnte in dieser einen Schlagzeile zusammengefasst werden:

Die Bank of Japan ist pessimistischer geworden angesichts der Wirtschaft, des Exports und der Inflation.

Aber sie unternimmt nichts. Außer natürlich einfach weiterhin pro Monat 6,7 Billionen japanische Yen (53 Milliarden Euro) zu drucken. Wenn man die Größe der Wirtschaft mit berücksichtigt, druckt Kuroda doppelt so viel Geld wie Draghi.

Ein unlösbares Problem
Eine stillliegende Wirtschaft. Null Prozent Inflation. 230% Staatsverschuldung. Schnell alternde Bevölkerung. Keine Zuwanderung.

Das BoJ-Vorgehen ist wohl nicht zu begreifen. Als wüssten sie nicht mehr, was sie jetzt tun müssen.

Möglich wäre noch, das Kuroda den Yen drücken will, indem er einige Monate lang Erwartungen über kräftige Stimulationsmaßnahmen schürt, die (im Sommer) kommen werden.

Japan steckt in unlösbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Und der Yen wird wertlos enden.

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Wer wird der Extremste sein?

Ich wollte einen Artikel über die EZB-Maßnahmen schreiben, die am Donnerstag verkündet wurden. Das ist aber im Grunde genommen gar nicht nötig.

Denn die Reaktionen in den Medien zeigen deutlich, dass das Misstrauen Draghi gegenüber zunimmt. Ich habe keine einzige Positive Reaktion mitbekommen.

Der ehemalige Chef der niederländischen Zentralbank DNB, Nout Wellink, zum Beispiel ließ kein gutes Haar am EZB-Vorgehen.

Vom Weihnachtsmann zum Dummkopf
In den gängigen Medien wird jetzt (endlich) genug vor dieser dramatischen, sehr gefährlichen Politik gewarnt.

Es fällt allerdings richtig auf, dass sich die Stimmung in den Medien innerhalb weniger Monate komplett gewendet hat. Als ich im Oktober diesen Artikel schrieb, wurde Draghi in den Medien noch als eine Art Weihnachtmann mit Säcken voll Geschenken umjubelt.

Jetzt schrumpft das Vertrauen in die EZB rasant.

Der Verrückteste von allen
Anfang dieser Woche ist BoJ-Chef Kuroda an der Reihe. Der Verrückteste von allen. Dieser gefährliche Wahnsinnige hantiert Peter Pan als politische Inspiration. Siehe unten.

Für Japan ist es sehr wichtig, dass der Euro im Verhältnis zum Yen stark steigt. Denn dadurch ist es für japanische Unternehmen leichter, der europäischen Konkurrenz am Weltmarkt standzuhalten.

In der Graphik unten sehen wir allerdings, dass der Euro seit Juni 2015 stark gesunken ist (und der Yen gestiegen).

Das ist genau das Gegenteil von dem, was Kuroda für einen Anstieg der Inflation benötigt.

Um diesem Trend entgegen wirken zu können, wird Kuroda Maßnahmen ergreifen müssen, die so extrem sind, dass Besitzer japanischen Yens, selbige unmittelbar in Dollar oder Euro tauschen werden.

Safes
Als Kuroda während des vergangenen BoJ-Meetings einen Negativzins ankündigte, um damit den Konsum zu stimulieren, erreichte er das Umgekehrte.

Denn auch die Japaner haben das Vertrauen in ihre Zentralbank (und in Abenomics) komplett verloren. Lesen Sie diese Schlagzeile:

Den einzigen Konsum, den Kuroda scheinbar stimulierte, war der Verkauf von Safes. Japaner kauften scharenweise Safes, holten 10.000-Yen-Scheine (80 Euro) von der Bank und steckten selbige in diese Safes.

Fortsetzung folgt…

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Marios schwärzester Tag als EZB-Chef

Mario Draghi wird sich noch lange an den gestrigen Tag erinnern. Es war mit Abstand sein schwärzester Tag als EZB-Chef.

Letzten Monat hatte er die Erwartungen für große Taten noch höchstpersönlich so sehr geschürt, dass gestern Morgen sogar die gängigen Nachrichtensendungen darüber spekulierten, was er mittags wohl sagen würde.

Er lieferte gestern dann jedoch absolut nicht das ab, was der Markt erwartet hatte. Infolgedessen schoss der Euro hinauf und die Börsen sanken stark.

Keine Überraschung
Mario verkündete gestern, dass die Einlagezinsen von -0,2% auf -0,3% gesenkt werden. Außerdem, dass die EZB sechs Monate länger 60 Milliarden Euro monatlich drucken wird. Und danach noch länger, falls notwendig.

Auf dem Papier ist das eine große zusätzliche Maßnahme. Für die Finanzmärkte sind das aber keine neuen Nachrichten. Denn alle wissen, dass die EZB nicht aufhören kann Geld zu drucken, solange kaum Wirtschaftserholung und Inflation stattfindet.

Ausweichende Antworten
Ich habe mir Draghis Pressekonferenzen schon häufiger angeschaut. Und mir ist jedes Mal aufgefallen, dass er redegewandt ist und dass er Journalistenfragen freundlich und klar beantwortet.

Gestern war es aber anders.

Freundlich war er natürlich nach wie vor. Aber er antwortete ausweichend (bisweilen gar nicht) auf die Frage, was seiner Meinung nach der Grund dafür sei, dass der Markt so enttäuscht reagiert hat. Und ob das möglicherweise an seiner Kommunikation gelegen haben könnte.

Daraufhin widersprach er sich selbst.

Mario widerspricht sich selbst
Einerseits sagte er, dass das angekündigte Paket zusätzlicher Maßnahmen gewiss von wesentlicher Bedeutung sei. Andererseits aber sagte er, dass sich die Euro-Wirtschaft aber jetzt gerade in eine gute Richtung entwickelt.

Wenn er tatsächlich meint, dass es in die richtige Richtung geht, müssten überhaupt keine Maßnahmen ergriffen werden.

Anschließend sagte er, dass das Vertrauen der europäischen Verbraucher jetzt größer sei und selbige bereit seien mehr Geld auszugeben. Eurostat veröffentlichte hingegen nur ein paar Stunden zuvor, dass der Einzelhandel in der Eurozone im Oktober um 0,1% gesunken ist.

Von Reaktion überfallen
Für mich war klar zu erkennen, dass Mario gestern von der Reaktion des Marktes überfallen wurde. Und dass er sich durch die Pressekonferenz quälte.

Ein steigender Euro steigert die Inflation nicht sondern senkt sie. Mario wird sich einen klugen Schachzug ausdenken müssen.

Oder der Markt müsste realisieren, dass die zusätzlichen Maßnahmen der EZB wirklich einschneidend sind. Und dass die Erwartungen gestern (dank Draghi persönlich) etwas zu hoch gegriffen waren.

Denn Fakt ist, dass die EZB die Finanzmärkte noch eine ganze Weile mit frisch gedruckten Euros überfluten wird…

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