Wahrnehmung und Realitaet liegen meilenweit auseinander

In diesem Artikel habe ich Ihnen letzten Freitag mitgeteilt, dass die Eurozone infolge niedriger Inflation gezwungen wird, Geld zu drucken.

Und ich habe Ihnen mitgeteilt, dass der Dollar unter anderem so stark ist, weil die amerikanische Wirtschaft am besten läuft, und alle deshalb auf eine Zinsanhebung setzen.

Wahrnehmung. Realität.

Die enorme Gefahr einer Deflation in der Eurozone
Wo man auch hinschaut, Zeitung oder Fernsehen, überall wird uns eingebläut, Deflation sei schlecht, weil Konsumenten dann nicht kaufen würden. Und dass Draghi Geld drucken müsse, um diese enorme Gefahr einzudämmen.

Hier nun eine Tabelle, dich ich von der Eurostat Website kopiert habe:

Aktuell herrscht eine Deflation von 0,2%. Vor allem, weil die Energiepreise um 6,3% gesunken sind, und weil „unprocessed food“ (Gemüse, Obst, Fleisch etc.) 1% günstiger wurde.

Kennen Sie jemanden, der weniger tankt?
Kennen Sie auch nur eine Person, die weniger Benzin tankt, weil die Spritpreise gerade so günstig sind? Oder jemanden, der weniger Gemüse und Obst kauft, weil er einen weiteren Rückgang der Preise erwartet? Ich kenne niemanden!

Dennoch geht die gesamt Finanzwelt davon aus, dass die EZB am 22. Januar verkünden wird, dass sie Geld drucken wird. Auch weil Draghi himself vorletzte Woche bereits äußerte, dass es seiner Meinung nach nötig sei.

Die Realität sieht so aus, dass die EZB Geld drucken wird, obwohl es absolut unnötig ist.

Denn der Rückgang der Kraftstoffpreise ist für die Eurozone einzig und allein vorteilhaft. Und jeder, der sich die Mühe macht, sich auch nur einigermaßen in den Ölmarkt zu vertiefen, weiß, dass Kraftstoffpreise im nächsten Jahr wieder stark steigen werden.

Die amerikanische Wirtschaft
Wir haben in letzter Zeit nur noch positive Meldungen zur amerikanischen Wirtschaft gehört. Die Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um satte 5%.

Die Wahrnehmung geht im Allgemeinen dahin, dass es der amerikanischen Wirtschaft sehr gut geht. Schauen wir uns einmal die harten Zahlen an. Die Realität.

Im dritten Quartal 2014 lag das amerikanische BIP nominal 728 Milliarden Dollar höher als ein Jahr zuvor. Dieses Wirtschaftswachstum wurde jedoch erzielt, weil Regierung, Unternehmen und Bürger gemeinsam ganze 2.045 Milliarden Dollar mehr Schulden machten.

2.045 Milliarden Dollar zusätzliche Schulden machen, um damit lediglich 728 Milliarden Dollar Wirtschaftswachstum zu schaffen. Das klingt sehr ungesund!

Es geht immer um die Wahrnehmung
Die EZB wird aufgrund einer aktuellen Wahrnehmung Geld drucken, die da wäre, dass Deflation eine Gefahr darstelle. Das Ergebnis wird ein immer schwächer werdender Euro sein.

Und die Fed wird die Zinsen aufgrund der Wahrnehmung anheben, dass es der amerikanischen Wirtschaft ja so gut gehe. Mit dem Ergebnis eines steigenden Dollars.

Die Realität sieht so aus, dass die Eurozone ein Deflationsproblem hat. Und dass die amerikanische Wirtschaft viel schwächer ist als weitgehend angenommen wird.

Realität wird in ungefähr einem Jahr durchdringen
Das wird aber vermutlich erst irgendwann Ende 2015, Anfang 2016 passieren. Erst nachdem der stark steigende Dollar eine Spur der Verwüstung hinter sich gelassen hat…

 

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Mario lässt die Geldpressen schon einmal warmlaufen

Im Juli 2012 schüttelte EZB-Präsident Mario Draghi einen schönen Trick aus dem Ärmel. Er versprach den Finanzmärkten ganz einfach mal, dass er alles dafür tun werde, um den Euro in seiner heutigen Form überleben zu lassen.

Mario saß zwischen zwei Brandherden. Große Schwierigkeiten in den PIIGS-Ländern riefen nach mehr gedrucktem Geld. Merkel wollte jedoch auf keinen Fall, dass die EZB noch mehr Geld druckte. Das hätte ihre Wiederwahl in Gefahr gebracht.

Der Trick hat funktioniert. Und das auch noch eine ganze Weile. Mario konnte sein Versprechen jetzt schon 15 Monate halten, ohne Geld drucken zu müssen. Dank seiner Kollegen Bernanke und Kuroda (Japan), die ihre Geldpressen sehr wohl reichlich laufen ließen. Aber der Trick verliert jetzt an Wirkung.

Katastrophale Zahlen
Letzte Woche gab Eurostat die Meldung raus, dass die Staatsverschuldung in der Eurozone im zweiten Quartal auf satte 93,4% des BIP gestiegen ist. Die Euroländer schaufelten gemeinsam noch einmal 125 Milliarden Euro auf ihren ohnehin bereits riesigen Schuldenberg drauf.

Die Staatsschulden von Griechenland (169%), Italien (133%) und Portugal (131%) sind schlicht und ergreifend untragbar. En obwohl Spanien mit 92% noch unter dem Durchschnitt liegt, steigt die Staatsverschuldung dieses Landes am schnellsten im Vergleich zu allen anderen Euroländern. Die folgende Graphik zeigt genug.

 

Mehr schlechte Nachrichten
Letzten Donnerstag veröffentlichte Eurostat noch mehr schlechte Nachrichten. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone bleibt mit 12,3% unverändert hoch. Im September verloren weitere 60.000 Menschen ihre Arbeit.

Wirklich überraschend aber war die Meldung, dass die Inflation in der Eurozone im Oktober auf nur noch 0,7% gesunken ist. Ohne Geld zu drucken entwickelt sich die Eurozone in den kommenden Monaten in Richtung Deflation. Schauen Sie sich hier unten einmal die spanischen Inflationszahlen an.

 

An der Börse wird es noch eine Weile gesellig bleiben
Deflation ist eine Katastrophe für Länder mit hohen Staatsschulden. Und sie ist ein Alptraum in den Augen von Zentralbankern. Mario wird Geld drucken. Viel Geld.

Das bedeutet, dass bald die drei größten Zentralbanken der Welt aus vollen Zügen Geld drucken werden. Eine Katastrophe, langfristig betrachtet.

Aber wir Anleger kümmern uns erst zu einem späteren Zeitpunkt um später auftretende Probleme. Denn für die nächste Zeit bedeutet das wahrscheinlich, dass es an den Aktienbörsen gesellig ablaufen wird. Sehr gesellig.

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Staatsverschuldung zurückdrängen?

EU-Politiker haben auch in diesem Jahr schon zigmal angekündigt, dass eine Wirtschaftserholung bevorstehe oder bereits begonnen habe. Und schon seit drei Jahren erzählen sie uns, dass es so wichtig sei, die Staatsverschuldung zurückzudrängen.

Den Geschichten von Politikern zuzuhören ist sinnlos, denn sie lügen, dass sich die Balken biegen. Das ist Teil ihres Berufs. Montag veröffentlichte Eurostat diese harten Zahlen.

Die Regierungen der Eurozone haben so clever, so vernünftig eingespart, dass die Staatsverschuldung der Eurozone innerhalb eines Quartals um satte 150 Milliarden Euro gestiegen ist. Auf 92% des BIP.

Rekordhalter
Spaniens Staatsverschuldung stieg um ganze 39 Milliarden Euro, Italien musste 46 Milliarden zusätzliches Geld aufnehmen und die Iren 12 Milliarden Euro. Und auch die belgische Staatsverschuldung stieg stark an. Um ganze 19 Milliarden Euro.

Hätte ich doch fast die Franzosen vergessen. Hollande ist vermutlich Rekordhalter, wenn es um Ankündigungen einer Wirtschaftserholung geht. Frankreich musste 37 Milliarden Euro extra aufnehmen.

Problemlose Darlehen dank Draghi
Natürlich war das Geldleihen problemlos. Große Anlagefonds und Rentenfonds waren gerne bereit, diesen Ländern ihr Geld zu leihen. Dank Draghi. Denn er hat sie letztes Jahr wissen lassen, dass sie keinerlei Risiken eingehen, wenn sie den Euroländern Geld leihen.

Sobald die Zinsen für Staatsanleihen zu sehr ansteigen, schmeißt Draghi die Geldpressen wieder an. Oder denken Sie wirklich, Griechenland, Frankreich, Italien, Irland, Belgien und Spanien fänden eine Möglichkeit, ihre Staatsverschuldungen auf normale Weise zu begleichen?

Was Sie tun sollten – Und was nicht
Was wir in unserem kostenlosen Report „Sei vorbereitet und habe einen Plan!“ beschreiben, passiert genau jetzt. Im Report erläutern wir, was wir in den kommenden Jahren mit unserem Geld tun und was nicht. Klicken Sie hier, um diesen kostenlosen Report zu bestellen.

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Zwei einfache Zahlen sagen Ihnen alles

Es gibt unterschiedliche Gründe für den Besitz von Gold und Silber. Und meistens hat es vor allem mit Angst zu tun. Angst vor Hyperinflation. Angst davor, dass der Euro zerbricht. Angst vor einem Zusammenbruch des gesamten Systems.

Und wenn man aus diesen Gründen Gold und Silber besitzt, sollte man auch kontinuierlich beurteilen, ob es noch ausreichend Gründe für diese Ängste gibt. Sobald nämlich die Angst vor all diesem Unheil definitiv abebbt, sollte man sein Gold und Silber loswerden. Nicht leicht das zu beurteilen.

Es kann alles viel einfacher

Wenn die Banken einfach gesund wären und wir würden 5% Zinsen für unser Ersparten bekommen, würden Sie dann Gold und Silber besitzen? Ich nicht!

Der Grund aus dem Gold und Silber als Anlage so interessant sind, ist daher auch einfach. Der Realzins (nach Inflation also) ist negativ. Man verliert mit seinem Sparkonto definitiv Geld, und man geht gleichzeitig Risiko ein. In dieser Situation ist es besser, Gold und Silber zu besitzen. Und vor allem auch sicherer. Gold und Silber tragen nämlich nun einmal kein Kreditrisiko in sich.

Die simple Wahrheit lautet darum auch folgendermaßen: Wenn der Realzins über 1% liegt, ist es nicht ratsam Gold und Silber zu besitzen; ist der Realzins negativ, dann ist es im Gegenteil sehr ratsam Gold und Silber zu besitzen.

Einmal im Monat zwei Zahlen heraussuchen

Man muss als Anleger also nur zwei Zahlen beachten. Schauen Sie sich einmal pro Monat kurz hier den Dreimonats-Euribor Zins an und zudem auf Eurostat den aktuellsten Pressebericht zur Inflation. Wenn Sie diese beiden Zahlen miteinander vergleichen, sehen Sie, dass der Realzins aktuell zum Beispiel bei gut -1,7% liegt.

Realzins bleibt noch lange negativ
Angesichts des enorm niedrigen Zinses und des massenhaften Gelddruckes, gehen wir davon aus, dass der Realzins noch eine lange Zeit negativ bleiben wird. Darum ist es gerade jetzt wichtig, Gold und Silber zu besitzen. Ich kaufe darum auf meinem Goldkonto jeden Monat etwas hinzu.

Ich persönlich bevorzuge ein Goldkonto bei Goldmoney. Dennoch kaufe auch ich für kleinere Summen physisches Gold und Silber. Ganz einfach um es in meiner Nähe zu haben und weil ich es beruhigend finde, es für den Ernstfall zu besitzen. Klicken Sie hier für die Eröffnung eines Goldkontos oder hier für die Bestellung von physischem Gold/Silber.

 

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Erspartes in Gold und/oder Silber umsetzen

Am vergangenen Wochenende sah ich eine Reportage, in der gezeigt wurde, wie Goldman Sachs den Griechen dabei half, ihre Staatsverschuldung um einige Milliarden Euro zu schönen und dafür dann 300 Millionen Euro bekam. Griechenland wurde mit diesem Trick den Euro reingemogelt, und sowohl die Europäische Kommission als auch Eurostat standen da und schauten zu.

Die griechische Situation ist gänzlich dramatisch, und viele der aktuellen Maßnahmen werden nicht ausschließlich helfen, sondern das Problem auch noch verschlimmern. Und dasselbe gilt auch für die meisten anderen Euroländer. Ich erwarte vorläufig jedoch keine Panik aufgrund hochschnellender Leitzinsen auf Euro-Staatsanleihen.

Die EZB hat den Banken im Dezember nämlich bereits 489 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 1% geliehen, und den Erwartungen nach wird sie Ende Februar erneut mit einem Paket von 1.000 Milliarden um die Ecke kommen. Die Banken investieren dieses Geld (teils) in Euro-Staatsanleihen, bekommen dafür dann 3 – 5% und sacken sich die Differenz als Gewinn ein. Kostenloser Gewinn aus frischgedrucktem Geld.

Irgendwer wird das jedoch bezahlen müssen, denn umsonst geht nur die Sonne auf. Wer dafür aufkommen wird? Der einfache Bürger mit normalem Gehalt und einem Sparkonto. Er wird das Opfer der Inflation werden, die durch solche Praktiken verursacht wird. Darum betone ich auch jede Woche wie wichtig es ist, unser Erspartes (teilweise) in Gold und/oder Silber zu führen.

In einem amerikanischen Newsletter habe ich diese Woche auch noch gelesen, dass Gold- und Silberaktien im Verhältnis zum Gold- und Silberpreis unglaublich günstig sind. Gold und Silber stiegen in den vergangenen zwölf Monaten preislich an, während die Kurse der Gold- und Silberaktien sanken. Im Grunde nichts Neues für uns, aber das letzte Mal als sich eine solche Situation ergab, stiegen die Kurse der Gold- und Silberaktien innerhalb eines Jahres um 121%!

 

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Vom Euro und Papiergeld verabschieden

„Damen und Herren, sollten Sie der Typ Mensch sein, der verantwortungsbewusst mit seinem Geld umgeht und jeden Monat ein wenig Geld beiseitelegt, um für die Zukunft zu sparen, dann möchte ich Ihnen mitteilen, dass wir Sie dafür ab jetzt noch etwas härter bestrafen werden. Sie bekommen für Ihr Sparkonto schon jetzt einen negativen Realzins, aber wir werden selbigen ab heute noch ein viertel Prozent herabsenken.“

Das sagte der neue EZB Präsident Mario Draghi natürlich nicht wortwörtlich, aber im Grunde ist es so! In derselben Woche, in der Eurostat bekannt gab, dass die Inflation in der Eurozone im Oktober auf 3% angestiegen ist, teilt Draghi mit, dass er die Zinsen um 0,25% herabsenken wird.

Er hätte auch Folgendes sagen können: „Wenn Sie so viel Geld wie möglich ausgeben wollen und dafür Geld aufnehmen müssen, werden wir Sie künftig noch ausgiebiger belohnen. Und wir werden Sie noch etwas härter bestrafen, wenn Sie so ein langweiliger, altmodischer Idiot sind, der verantwortungsbewusst mit seinem Geld umgeht, Geld spart und erst dann etwas kauft, wenn ausreichend Geld auf seinem Sparkonto steht.“

Letzte Woche wurde bereits klar, dass Draghi auch weiterhin Staatsanleihen aufkaufen wird, um den Zins auf selbige weitestgehend drücken zu können. Natürlich merkt er dabei an, dass dies keine langfristige Lösung sei, aber das sind meines Erachtens leere Floskeln. Ein MIT Absolvent, der an der Harvard University gearbeitet hat und obendrein noch bei Goldman Sachs mit dabei war. Es sieht wohl so aus, als hätten wir einen Bernanke Typ in der Führungsposition der EZB.

„Inflation expectations remain firmly anchored in line with our aim of keeping inflation rates below, but close to, 2% over the medium term.“ Diesen Satz habe ich wörtlich aus Trichets Pressekonferenz von vor einem Jahr kopiert. Der Zins muss nicht weiter angehoben werden, denn die Inflation wird knapp unter 2% bleiben. Ich habe mich in derselben Woche in diesem Artikel gefragt, in welcher Welt Trichet lebt. Jemals einen Zentralbanker erlebt, der eine gute Zukunftsprognose abgab? Ich nicht!

Jetzt senkt Draghi den Zins herab, obwohl die Inflation bei 3% liegt. Er erwartet, dass die Inflation in 2012 sinken wird. Nun gut Herr Draghi, ich haben keinerlei Vertrauen in Ihre Zukunftsprognose! Ich bin so ein langweiliger, altmodischer Idiot, der Geld für die Zukunft spart. Einer, der nie Geld aufnimmt, sondern erst dann etwas kauft, wenn er das Geld dafür besitzt. Aber ich lasse mich nicht von Ihrer schlechten Finanzpolitik bestrafen. Ich verabschiede mich vom Euro und vom Papiergeld. Ich führe mein Geld in einer Währung, die Sie nicht manipulieren können. Für mich heißt es jetzt mehr denn je: Kaufe Gold und Silber!

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Trichets unmöglicher Spagat

Wie ich letzte Woche bereits erwartet hatte, verkündete Eurostat die Nachricht, dass die Inflation in der Eurozone auf 2,4% angestiegen ist. Dennoch wird die EZB den Erwartungen nach die Zinsen heute nicht erhöhen. Sie können auch eigentlich nicht. Eine Zinserhöhung würde einen Kursanstieg des Euro mit sich bringen und das würde die Situation für die PIIGS-Länder nur noch schwerer machen.

Die EZB hat aber in der letzten Woche aufgehört Staatsanleihen zu kaufen. Der Grund dafür ist folgender: Trichet wirkt unglaubwürdig wenn er davor warnt, dass er die Zinsen eventuell anziehen will, gleichzeitig aber weiterhin Staatsanleihen kauft. Die EZB nutzt dabei dankbar die Ruhe, die am europäischen Anleihenmarkt gerade wieder eingekehrt ist.

Diese Ruhe wird sich allerdings nicht fortsetzen, denn riesen Schulden und Haushaltsdefizite verschwinden nicht so einfach wie der Schnee in der Sonne schmilzt. Die Aufmerksamkeit des Kapitalmarktes wird sich bald von ganz alleine wieder auf die europäische Schuldenkrise richten und dann wird Trichet einen unmöglichen Spagat machen müssen. Er muss dann der Inflation entgegenwirken und Staatsanleihen aufkaufen. Oder aber er muss gleichzeitig die Inflation bekämpfen und antreiben.

 

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Preissteigerung am Rohstoffmarkt

In derselben Woche, in der Eurostat bekannt gibt, dass die Produzentenpreise in der Eurozone um ganze 4,2% angestiegen sind, gibt die EZB bekannt, dass die Zinsen unverändert bei 1% bleiben werden und, dass die Inflation auch im nächsten Jahr bei rund 2% liegen wird. Und das alles, während sich unter den Rohstoffen folgende Preissteigerungen ergeben haben: Getreide 74%, Mais 14%, Kaffee 27%, Zucker 44%, Baumwolle 66%, Rindfleisch 18%, Schweinefleisch 60%, Kupfer 37%, Hafer 68%, Diesel 29%, Erdgas 25%. Diese Preissteigerungen wurden in US Dollar gemessen und für den Zeitraum eines Jahres.

„Oh!“, werden Sie denken, „Dann sind die Folgen für uns nicht so schwerwiegend, denn der Euro ist in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Dollar kräftig gestiegen.“ Stimmt, er ist jedoch gestiegen, nachdem er in der ersten Jahreshälfte kräftig gesunken war. Der Euro notiert derzeit sogar niedriger als vor einem Jahr. Letztes Jahr lag der EUR/USD Kurs am 5. November noch bei 1,49. Jetzt liegt er bei 1,40. Wenn wir auf der Basis des Euro die derzeitigen Rohstoffpreise mit denen des Vorjahres vergleichen, erkennt man, dass die Preise dann noch kräftiger angezogen sind. Das sind die Preissteigerungen der Wirklichkeit. Für jedermann nachvollziehbar. In welcher Welt Leute, wie Trichet und Bernanke leben, ist für mich ein großes Rätsel.

Die Herstellung der Produkte, die bald in unserem Einkaufswagen landen, kostet die Produzenten also durchschnittlich 4,2% mehr als noch vor einem Jahr. Als Konsument kann man da nur hoffen, dass die Produzenten entschließen, diese höheren Kosten nicht auf den Preis ihrer Produkte aufzurechnen. Vielleicht sollten wir aber gerade hoffen, dass die Preissteigerungen aufgerechnet werden, denn wenn die Gewinnspannen schrumpfen, werden sie anderswo Kosten einsparen wollen. Also Leute entlassen.

Im oberen Abschnitt nenne ich Preissteigerungen am Rohstoffmarkt. Es dauert selbstverständlich eine Weile, bis wir Konsumenten davon etwas spüren. Ein Freund von mir, der in Italien lebt, erzählte mir von Giovanni. Giovanni ist ein äußerst freundlicher Bauer, der seine Ländereinen neben dem Haus meines Freundes bearbeitet. Im Frühjahr hat er Weizen geerntet und hatte es im Vorhinein schon zu einem festen Preis verkauft. Der (noch günstige) Weizen befindet sich jetzt vielleicht in den Nudelpaketen in den Supermärkten, und darum sind die Nudeln momentan auch noch nicht teurer geworden. Giovanni hat letzte Woche erneut Wintergetreide gepflanzt und freut sich schon jetzt auf den sehr wahrscheinlich viel höheren Preis, den er für seinen Weizen bekommen wird. Es sei ihm gegönnt. Die höheren Preise aber wird der Konsument natürlich in den Supermärkten zu spüren bekommen…

 

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Erschreckende Staatsverschuldungen und Haushaltsdefizite

Am letzten Donnerstag veröffentlichte Eurostat Zahlen, die darlegen, wie hoch die Haushaltsdefizite aller EU Länder 2009 lagen und wie hoch die Staatsverschuldung war. Diese Zahlen sind erschreckend.

Die Griechen setzen dem Ganzen mit einem Haushaltsdefizit von ganzen 13,6% des BNP und einer Staatsverschuldung von 115% natürlich die Krone auf. In einem anderen Newsletter habe ich bereits einmal geschrieben, dass es unsinnig ist, diese Zahlen einzig und allein am BNP zu messen, denn dem unwissenden Publikum scheinen diese Zahlen viel niedriger als sie es tatsächlich sind.

Die griechische Regierung verfügte 2009 insgesamt über 88 Milliarden Euro Steuereinnahmen und gab ganze 120 Milliarden Euro aus. Die griechische Regierung gab im letzten Jahr also 32 Milliarden oder anders ausgedrückt 36% mehr Geld aus als hineinkam. Wenn die Griechen nicht drastisch einsparen, wird das Hilfspaket von 30 Milliarden Euro innerhalb eines Jahres verbraucht sein und dann haben wir wieder exakt dasselbe Problem. Die griechische Staatsverschuldung betrug am 31. Dezember 273 Milliarden Euro. Dies entspricht dem dreifachen von dem, was 2009 in die Staatskasse hinein floss.

Deutschland
2009 verfügte Deutschland über Steuereinnahmen in Höhe von 1066 Milliarden Euro, während insgesamt 1145 Milliarden Euro ausgegeben wurden. Das ließ die Staatsverschuldung noch einmal in die Höhe schnellen, denn diese Verschuldung lag Ende des letzten Jahres bei ganzen 1762 Milliarden Euro bzw. 73% des BNP.

Damit steht der Deutsche Staatshaushalt wesentlich besser da als der Haushaltskasse der Problemländer. Allerdings würde auch dieses kleine Trostpflaster mich nicht fröhlich stimmen wenn ich privat mein Finanzhaushalt vergleichsweise führen wurde angesichts des gleichen Verhältnisses zwischen Einnahmen, Ausgaben und Nettovermögen.

Genau das gleiche Szenario sehen wir in vielen anderen Ländern. Neben Belgien (97%) befinden sich Griechenland (115%) und Italien (116%) auf den drei Spitzenpositionen der Europäischen Union wenn es darum geht, wer die höchste Staatsverschuldung innehat. Wenn wir uns die Haushaltsdefizite anschauen, liegen Irland (14,3%), Griechenland (13,6%) und Groß Britannien (11,5%) ganz vorne. Je höher das Haushaltsdefizit, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Staatsverschuldung in den kommenden Jahren steigen wird.

Mangel an Dringlichkeit
Der Mangel an Führung und Dringlichkeit ist riesengroß. In etwa alle europäischen Länder sind die Staatsausgaben in wenigen Jahren enorm angestiegen. Die Politiker melden jetzt, dass sie jedoch mehrere Jahre brauchen um ein Bruchteil dieser starken Zunahme zurückzuschrauben. Unter anderem damit „die Konjunkturerhohlung“ nicht gefährdet wird. Die Staatsverschuldung wird nur noch mehr steigen und die Zinslasten werden sich bei den bald steigenden Zinssätzen wie eine Schlinge um den Hals legen.

Schmerzen und Anstrengung
Der Mangel an Dringlichkeit ist in jedem EU Land spürbar. Wenn man etwas erreichen will, muss man selber bereit sein, eine gewisse Zeit zu leiden. Egal, ob es um den Abschluss des Studiums, eine sportliche Bestleistung, eine Diät, die Neugründung einer Firma oder eben um den Wiederaufbau des Finanzhaushaltes geht. Aufopferung, Schmerzen und Anstrengung sind die Grundvoraussetzungen. In Europa sind wir nicht bereit kurzweilig Schmerzen zu leiden; wir möchten uns schon gar nicht aufopfern. Das führt dazu, dass der Schmerz langfristig betrachtet nur noch größer werden wird.

 

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Ein Paar Billionen Probleme „ganz einfach ignoriert“

Eurostat hat wieder Inflationszahlen für die Eurozone und die EU insgesamt veröffentlicht. In den 16 Euro-Ländern lagen die Preise für Güter und Dienstleistungen durchschnittlich 0,7% tiefer als ein Jahr zuvor. Deflation!

Was uns an der Berichterstattung in den Medien ärgert, ist die mangelhafte Auseinandersetzung mit den Zahlen. Oder aber, dass man kaum hinter die Zahlen schaut. Im Juli letztes Jahr notierten die Preise von Öl und so gut wie allen anderen Rohstoffen absolute Rekorde. Infolge einer Vielzahl noch nie dagewesener Zwangsverkäufe insbesondere durch Hedgefonds, fielen sie anschließend enorm.

Öl notierte im Juli 2008 noch $145 pro Fass und der Preis sank sogar auf $30 im Januar. Inzwischen hat sich der Ölpreis wieder mehr als verdoppelt und liegt nun bei $70.

Energie bestimmt alles
Wenn wir die Tabellen von Eurostat betrachten, sehen wir, dass die negative Inflation dadurch verursacht wurde, dass Energie im Durchschnitt 14,4% günstiger wurde und weil der Transport durchschnittlich 5,5% günstiger wurde. Die Transportpreise werden zu einem bedeutenden Teil vom Ölpreis bestimmt.
Rechnet man den Einfluss des Ölpreises nicht mit, dann liegt die Inflation bei 1%. Das ist hoch, wenn man weiß, dass wir uns in einer heftigen Wirtschaftskrise befinden, in der Konsumenten ihr Geld überwiegen in den Portemonnaies lassen.

Ende 2009 wieder positive Inflation
Man muss kein Wissenschaftler sein, um schließen zu können, dass der Ölpreis lediglich konstant bleiben braucht, um gegen Ende des Jahres eine positive Inflation zu erreichen. Sollte, wie die ‘Gelehrten‘ erwarten, eine wirtschaftliche Erholung in Gang kommen, wird der Ölpreis nur weiter steigen. Das wird zu einer höheren Inflation führen und die EZB und die FED werden in Windeseile die Zinsen erhöhen müssen und das wiederum wird der Wirtschaftserholung gnadenlos den Hals umdrehen.

Probleme der Einfachheit halber mal eben ignoriert
Nach all dem haben wir noch nicht über die in den Vereinigten Staaten wuchernde Kreditkrise und die Auswirkungen der heftigen Probleme in Osteuropa gesprochen. Auch Banken in Westeuropa spielen hier eine Rolle. Diese Probleme könnten insgesamt vermutlich für einige tausend Milliarden Euro Elend sorgen. Diese Probleme jedoch werden der Einfachheit halber mal eben ignoriert. Ignorieren bedeutet allerdings nicht, dass sie sich einfach in Luft auflösen.

Interessante Zeiten kommen auf uns zu…

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