Der enorme Unterschied zwischen China und Indien

Vor ca. zwei Wochen hörte ich im Fernsehen einen Reporter berichten, man habe zwei Hauptrollendarsteller des Oscar-gekrönten indischen Films „Slumdog Millionaire“ ausfindig gemacht und interviewt. Der Film gewann vor einem Jahr einen Oscar und der Junge und das Mädchen in den Hauptrollen wurden kurzerhand aus den Slums herausgeholt. Der Berichterstatter wollte nun natürlich wissen, wie es diesen Kindern heute geht und welche Folgen der Film für ihre Leben hatte.

Kein bisschen Aussicht auf Besserung

Es stellte sich heraus, dass es dem Jungen ein wenig besser ging als vor dem Film. Er wohnt nun zusammen mit seiner Mutter in einem kleinen Appartement und geht regelmäßig zur Schule. Das Mädchen wohnt nach wie vor in einem Slum und geht nicht zur Schule. Berichterstatter aus der ganzen Welt müssen für Interviews mit dem kleinen Mädchen zahlen. Das Geld bekommen ihre Stiefmutter und einige gerissenen Onkel. Ein Weltstar der in einem Slum lebt, nicht die Schule besucht und keinerlei Zukunftsperspektive hat.

Laut Reporter (der in Indien lebt) besteht jede große indische Stadt zu einem Drittel aus Slums und es gibt keinerlei Aussicht auf Besserung der finanziellen Situation bzw. Lebensumstände. Das Mädchen aus „Slumdog Millionaire“ ist ein glänzendes Beispiel dafür, dass das indische Wirtschaftswachstum am armen Teil der Bevölkerung komplett vorbeizieht.

Chinesisches Mädchen in Kleiderfabrik

Während ich mir diese Dokumentation über die Kinder aus Slumdog Millionaire ansah, musste ich an eine andere Dokumentation denken, die ich vor einigen Monaten gesehen hatte. Sie handelte von einem siebzehnjährigen chinesischen Mädchen. Sie arbeitete in einer Kleiderfabrik und hat dafür ihr Dorf verlassen. Kein fröhlicher Anblick diese Näherinnen allesamt in der gleichen Uniform gekleidet. Die junge Frau arbeitete obendrein noch für ihre Familie, was bei mir direkt noch mehr Mitleidsgefühl erweckte.

Die Dokumentation zeigte auch, wie sie für ihren alljährlichen Urlaub zurück in ihr Dorf ging. Ein einfaches Bauernhaus in einem kleinen chinesischen Dorf in dem jeder jeden kennt. Sie trug moderne Kleider, in Zeichen dafür, dass sie von ihrer Arbeit in der Fabrik auch profitiert. Ihr Bruder arbeitete auf dem Bauernhof und machte ebenfalls einen modernen Eindruck. Die gesamte Familie investierte ihr gespartes Geld in ein neues Haus, groß genug für die Eltern, die Kinder mit ihren zukünftigen Ehemännern und -frauen und die Enkel. Einfache Menschen, die hart arbeiten um voranzukommen und dann auch tatsächlich vorankommen.

Riesiger Strukturunterschied

Der enorme Kontrast zwischen diesen beiden Geschichten ist meiner Ansicht nach bezeichnend für den riesigen Strukturunterschied des Wirtschaftswachstums beider Länder. China realisiert großes Wirtschaftswachstum, das innerhalb der vergangenen 30 Jahre mehr als 400 Millionen Chinesen aus der Armut half. An der Infrastruktur des Landes wurde ebenfalls gründlich gearbeitet.

Von dem kräftigen Wirtschaftswachstum in Indien bekommt der arme Bevölkerungsteil nahezu nichts mit. Sie bleiben genauso arm wie sie es immer gewesen sind. Indiens Infrastruktur ist auch jetzt nicht das Gelbe vom Ei. Um strukturelles Wirtschaftswachstum realisieren zu können, müssen viele Menschen aus der Armut gehoben werden und es muss kräftig in die Infrastruktur investiert werden.

China hat in das Fundament seines Wirtschaftshauses (Menschen und Infrastruktur) investiert und tut dies auch weiterhin. Indien hat das morsche Fundament so gelassen wie es war und hat direkt in das Mauerwerk und das Dach investiert. Aus diesem einfachen Grund wird China und nicht Indien in den kommenden Jahren zur größten Weltwirtschaftsmacht heranwachsen.

 

Teilen Sie diesen Artikel per Mail oder auf Ihren Social Media Kanälen