Gibt es jemand, der diese einfache Rechnung aufstellt?

Vor zwei Wochen habe ich in diesem Artikel die Euro-Wirtschaft mit einem Drogensüchtigen verglichen, er kontinuierlich eine große Menge Speed (0% Zinsen) und Koks (Geld drucken) bekommt.

Wir bekamen daraufhin etliche Reaktionen von Lesern, die der Meinung waren, dass wir zu negativ, zu pessimistisch sind.

Darum ist es vielleicht gut, anhand einer einfachen Rechenaufgabe zu sehen, wie groß die Auswirkungen von steigenden Zinsen sind.

Steigende Inflation –> Steigende Zinsen
Wenn Sie sich meinen Twitter-Account ansehen, dann sehen Sie viele Tweets über den Zustand der Euro-Wirtschaft. Gestern konnten Sie in diesem Artikel noch sehen, warum es sogar in Deutschland viel zu schnell geht.

Bis vor kurzem wurden die Euro-Wirtschaft und Euro-Inflation noch durch die weniger starken Euro-Länder gedrückt. Jetzt sehen wir aber, dass es selbst in Italien schnell geht.

Und bald werden Sie sehen, dass dies zu steigender Inflation führt. Wenn die Inflation über 2% steigt, dann ist die EZB verpflichtet, kein Geld mehr zu drucken und die Zinsen zu erhöhen.

Wodurch die Zinsen auf den Anleihemärkten steigen werden. Ein steigender Zins auf dem Anleihemarkt führt zu steigenden Hypothekenzinsen.

1% mehr Hypothekenzinsen = 50% mehr Zinskosten
Ich sah, dass eine durchschnittliche Wohnung in Deutschland jetzt 366.000 € kostet. Wenn wir von 2% Hypothekenzinsen ausgehen, dann beträgt die durchschnittliche Zinsbelastung 7.320 € pro Jahr.

Wenn die Zinsen heute um 1% steigen, dann steigt die Zinsbelastung für eine durchschnittliche Wohnung um rund 50% auf bis zu 10.980 €.

Nur 1% Zinsanstieg führt also zu einer 50% höheren monatlichen Zinsbelastung. Wodurch es plötzlich deutlich weniger attraktiv wird, eine Wohnung zu kaufen.

Die Folge ist eine sinkende Nachfrage und damit sinkende Immobilienpreise.

Enorme Auswirkung auf den Immobilienmarkt und die Wirtschaft
Ich finde nirgendwo Informationen darüber, wie viele Hypothekendarlehen in Deutschland mit einem variablen Zinssatz oder für einen kurzen, zinssicheren Zeitraum abgeschlossen wurden.

Für Personen mit einem solchen Darlehen wird ein 1% höherer Zinssatz plötzlich zu einer um 50% höheren monatlichen Belastung führen.

Gerade weil die Zinsen aktuell so unerreicht niedrig sind, hat ein lächerliches Prozent so eine enorme Auswirkung.

Auf das Leben der Menschen, deren monatliche Belastung plötzlich stark ansteigt, auf den Immobilienmarkt und damit auf die Wirtschaft als Ganzes.

Gibt es jemanden in der Politik oder bei der EZB in Frankfurt, der diese einfache Rechnung aufstellt?

Ich fürchte nicht.

 

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So schlecht geht es Italien und Frankreich

Letzte Woche wurde bekannt, dass die amerikanische Wirtschaft im ersten Quartal um lediglich 0,2% wuchs. Also stagnierte. Genauso wie im ersten Quartal des vergangenen Jahres.

Um auf dieses Ergebnis zu kommen, wird das erste Quartal 2015 mit dem vierten Quartal 2014 verglichen und dieses Ergebnis wird dann hochgerechnet, sodass ein Wachstum auf Jahresbasis herauskommt.

Aber gut, wann gibt der Mensch mehr Geld aus? In der Periode Oktober bis Dezember mit allen Feiertagen oder in der dunklen Winterperiode von Januar bis März, ohne Feiertage?

Zahlen viel stabiler als Nachrichtenmeldungen vermuten lassen
Wenn man ganz einfach jedes Quartal mit demselben Quartal des Vorjahres vergleicht, ergibt das ganz andere, viel stabilere Zahlen. Schauen Sie sich die folgende Graphik an.

Letztes Jahr ist die Wirtschaft im ersten Quartal laut Medien sogar geschrumpft. Trauerstimmung in den Medien. Ein Quartal später dann wieder Jubelstimmung. Aufregung weil Zahlen fragwürdig berechnet werden.

Langfristig betrachtet sehe ich der amerikanischen Wirtschaft nicht unbedingt positiv entgegen, aber die offiziellen Zahlen (bei denen ein Quartal mit demselben Quartal des Vorjahres verglichen wird), zeigen vorläufig ein ziemlich stabiles Wirtschaftswachstum von 2,4 bis 3,0%.

Zusätzlicher Rückenwind für die Wirtschaft
In der Eurozone herrscht in den letzten Monaten aus zwei Gründen zusätzlicher wirtschaftlicher Rückenwind. Der Euro ist gesunken, was Unternehmen, die in Länder außerhalb der Eurozone exportieren, Vorteile verschafft. Und der Ölpreis ist gesunken, wodurch für viele Menschen und Unternehmen die Energiekosten sinken.

Letzte Woche hat Eurostat die Arbeitslosenzahlen von März 2015 veröffentlicht.

In Frankreich stieg die Arbeitslosenquote auf 10,6%. Höchststand seit Ausbruch der Krise.

Und in Italien schien es in den letzten Monaten etwas besser zu laufen. Aber im März stieg die Arbeitslosenquote wieder auf 13%. Das zweithöchste Niveau seit Ausbruch der Krise.

Zwei der drei größten Euroländer geht es äußerst schlecht
Das, lieber Leser, sind zwei der drei größten Wirtschaften der Eurozone. In beiden Ländern schien es kurzzeitig besser zu laufen, aber jetzt geht es doch einfach weiter bergab.

Und das ungeachtet der Tatsache, dass auch Italien und Frankreich aufgrund des niedrigeren Euro und niedrigeren Ölpreises den Wind in den Segeln haben…

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Wie die EZB trickst und trickst

Obwohl in der Eurozone kein einziges strukturelles Problem gelöst wurde und obwohl die Staatsschulden insbesondere in den Problemländern stark weiter steigen, ist es jetzt schon eine ganze Weile relativ ruhig in der Eurozone.

Heute möchte ich Ihnen anhand einiger harter Zahlen veranschaulichen, wie die EZB diese (künstliche) Ruhe geschaffen hat.

Stellen Sie sich vor, Sie seien der Direktor einer Bank. Einer italienischen Bank. Ihre Aufgabe wäre es, das Geld der Sparkunden hereinzuholen und möglichst optimal anzulegen.

Das idealste Szenario sähe so aus, dass Sie mit diesen Spargeldern italienischen Unternehmen Kredite vergeben würden, die in ihre Zukunft investieren wollten. Oder Kredite für italienische Bürger, die ein Haus kaufen wollten.

Wahnsinn
Wenn Sie aber Bankdirektor wären, würden Sie das Geld Ihrer Sparkunden dann der Regierung eines Landes leihen, dessen Staatsverschuldung über 120% des BIP beträgt? Ich auf keinen Fall! Der italienischen Regierung Geld zu leihen ist Wahnsinn.

Und dennoch haben italienische Banken genau das gemacht. In großen Mengen sogar.

Zu einem Zeitpunkt, in dem die Staatsverschuldung Ende 2011 schon auf 121% des BIP gestiegen war, hoben italienische Banken ihre Anlagen in italienische Staatsanleihen an.

Italienische Banken finanzieren Staatsverschuldung
In diesem regelmäßig erscheinenden Bericht der Banca d’Italia sehen wir (Tabelle 5), dass die italienische Staatsverschuldung von Ende 2011 bis August 2013 um 153 Milliarden Euro zunahm. In derselben Zeit hoben italienische Banken ihre Saldo Kredite an den Staat um ganze 242 Milliarden Euro an.

Der Anstieg der italienischen Staatsverschuldung wird also klar vom italienischen Finanzsektor finanziert.

Warum jemandem Geld leihen, der pleite ist?
Aber warum sollte eine italienische Bank einer Einrichtung so viel Geld leihen, die faktisch pleite ist?

Dafür kann es nur einen Grund geben.

Die EZB hat italienischen Banken eine Garantie darauf gegeben, dass sie einspringt, wenn es danebengeht. Mit frischgedrucktem Geld…

Der einzige Grund dafür, dass wir in letzter Zeit keine ähnlichen Zustände wie 2011 erlebt haben, liegt darin, dass italienische Banken der italienischen Regierung alles notwendige Geld leihen. Mit herzlichen Grüßen (und einer Garantie) der EZB.

Es ist eine Strategie, die funktioniert. Bis sie eines Tages plötzlich nicht mehr funktioniert. Dann geht’s rund…

 

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